Düstere Grimms Märchen: Die grausamsten Geschichten, ihre Fassungen von 1812 und warum Videospiele sie bis heute aufgreifen

Düstere Grimms Märchen sind die Geschichten der Brüder Grimm, in denen Mord, Verstümmelung und grausame Strafen die Handlung antreiben, etwa Von dem Machandelboom, Der Räuberbräutigam, Fitchers Vogel und Das Mädchen ohne Hände. Viele waren schon in der Erstausgabe von 1812 düster, manche wurden in späteren Ausgaben noch düsterer, und sie speisen bis heute Bücher, Filme und Videospiele.

Im Folgenden: die düstersten Märchen der Reihe nach, was in ihnen passiert, wie ihre Erstausgaben im Vergleich aussehen, warum die Sammlung entschärft wurde und wo du sie lesen kannst. Die bekannten Vorher-nachher-Änderungen an Schneewittchen und Rapunzel findest du in Grimms Märchen im Original.

Was sind die düstersten Grimms Märchen?

Zu den düstersten Grimms Märchen gehören Die sieben Raben, Das Mädchen ohne Hände, Der Räuberbräutigam, Fitchers Vogel, Von dem Machandelboom, Die Gänsemagd und Das eigensinnige Kind. Hier sind sie, sortiert nach ihrer Nummer in der Sammlung (Kinder- und Hausmärchen, kurz KHM), verlinkt mit den Übersetzungen des Volkskundlers D. L. Ashliman von der University of Pittsburgh:

  1. Nr. 25, Die sieben Raben. Sieben Brüder werden in Raben verwünscht, und ihre Schwester schneidet sich den eigenen kleinen Finger ab, um zu ihnen zu gelangen.
  2. Nr. 31, Das Mädchen ohne Hände. Ein Müller schließt einen Pakt mit dem Teufel, und der Teufel befiehlt ihm: „Hau ihr beide Hände ab, sonst kann ich ihr nichts anhaben.“ Der Vater gehorcht.
  3. Nr. 40, Der Räuberbräutigam. Eine Braut entdeckt, dass ihr Verlobter eine Bande menschenfressender Räuber anführt.
  4. Nr. 46, Fitchers Vogel. Ein Hexenmeister entführt drei Schwestern und verbirgt hinter einer verbotenen Tür eine Blutkammer voller ermordeter Mädchen.
  5. Nr. 47, Von dem Machandelboom. Eine Stiefmutter tötet ihren Stiefsohn, kocht ihn zu einem Eintopf und setzt ihn seinem Vater vor.
  6. Nr. 89, Die Gänsemagd. Eine Dienerin stiehlt die Identität einer Prinzessin und endet in einem Fass, das „inwendig mit spitzen Nägeln beschlagen ist.“
  7. Nr. 117, Das eigensinnige Kind. Der Arm eines toten Kindes kommt immer wieder aus dem Grab, bis die Mutter ihn hinunterschlägt.

Die vollständige nummerierte Liste aller Märchen findest du in unserer Liste der Märchen der Brüder Grimm.

Was passiert in Von dem Machandelboom?

In Von dem Machandelboom ermordet eine Stiefmutter ihren Stiefsohn, kocht ihn, setzt ihn seinem Vater zum Essen vor, und der Junge kehrt als Vogel zurück, der die Wahrheit singt, bis sie zu Tode zerschmettert wird.

In Ashlimans Übersetzung lockt die Stiefmutter den Jungen zu einer Truhe mit Äpfeln, dann „krach! schlug sie den Deckel zu, und sein Kopf flog ab und fiel unter die roten Äpfel.“ Sie bringt ihre Tochter Marlene dazu zu glauben, sie habe ihm den Kopf abgeschlagen, und verarbeitet ihn dann zu Eintopf. Marlene weint, und „all ihre Tränen fielen in den Topf, und sie brauchten gar kein Salz.“ Der Vater isst alles auf und wirft die Knochen unter den Tisch.

Marlene begräbt die Knochen unter dem Machandelbaum, und aus einem Feuernebel steigt ein Vogel auf und singt: „Mein Mutter, der mich schlacht’, mein Vater, der mich aß.“ Er tauscht sein Lied gegen eine goldene Kette, rote Schuhe und einen Mühlstein und lässt den Mühlstein dann auf die Stiefmutter fallen: „er zerschmetterte sie zu Tode.“ Der Junge steht wieder lebendig da.

Ashliman merkt an, dass die Quelle der Grimms „der romantische Maler Philipp Otto Runge“ war, dessen Fassung „erstmals 1808 veröffentlicht wurde“, und dass die Brüder sie in die Erstausgabe und „alle folgenden Ausgaben“ aufnahmen. Marina Warner ergänzt in der New York Review of Books, dass Runge sie „im pommerschen Dialekt“ schickte, und zitiert den Übersetzer Peter Wortsman zum „verspielten und daher paradoxerweise tröstlichen Schrecken“ der besten Grimms Märchen.

Warum ist Der Räuberbräutigam eines der düstersten Grimms Märchen?

Der Räuberbräutigam ist eines der düstersten Grimms Märchen, weil er eine reine Horrorgeschichte ist: Eine Braut betritt das Haus eines Menschenfressers, versteckt sich hinter einem Fass und sieht einen Mord mit an.

In der letzten Fassung von 1857 auf Ashlimans Seite zum Räuberbräutigam warnt sie ein Vogel im Käfig: „Kehr um, kehr um, du junge Braut, du bist in einem Mörderhaus.“ Eine alte Frau im Keller erzählt ihr, was die Räuber vorhaben: „Sie werden dich ohne Barmherzigkeit zerhacken, kochen und essen, denn sie sind Menschenfresser.“ Hinter dem Fass sieht die Braut, wie sie eine andere junge Frau töten, und ein abgehackter Finger mit einem goldenen Ring „sprang in die Höhe, über das Fass und fiel der Braut gerade in den Schoß.“ Beim Hochzeitsmahl erzählt sie alles als Traum und wiederholt: „Mein Schatz, das träumte mir nur“, bis sie den Finger hervorholt.

Die Erstausgabe ist genauso grausig. Ashliman erklärt, dass „eine andere Fassung dieses Märchens in die Erstausgabe (1812) aufgenommen wurde“ und dass sie „für die zweite Ausgabe (1819) grundlegend umgeschrieben wurde.“ In der Fassung von 1812 ist die Braut eine Prinzessin, der Bräutigam ein Prinz, und das Opfer, das die Räuber in den Keller schleifen, entpuppt sich als ihre eigene Großmutter.

Sein Schwestermärchen ist Fitchers Vogel. Dort birgt das verbotene Zimmer „ein großes blutiges Becken“ mit „den zerhackten Teilen toter Mädchen.“ Ashliman ordnet es als „Die Heldin rettet sich und ihre Schwestern“ ein: Die Jüngste setzt ihre ermordeten Schwestern wieder zusammen, schickt sie unter Gold versteckt in einem Korb nach Hause, den der Hexenmeister selbst tragen muss, und ihre Familie verbrennt sein Haus mit ihm darin.

Waren die Erstausgaben der Grimms Märchen düsterer?

Nicht immer: Die Erstausgabe von 1812 und 1815 war direkter, aber mehrere düstere Märchen blieben bis zur letzten Ausgabe von 1857 düster oder wurden sogar noch düsterer.

Ashlimans Anmerkungen zeigen die Bandbreite:

Über Strafen, die nach 1812 hinzukamen, schreibt Warner: „Solche Ergänzungen verstärken das dunkle Geheimnis der Märchen.“ Die Erstausgabe war roher, aber die Gewalt verschwand im Lauf der Zeit nicht einfach.

Sind berühmte Grimms Märchen wie Aschenputtel auch düster?

Ja, auch viele berühmte Grimms Märchen sind düster, besonders in ihren Schlüssen. Warner beschreibt die „schaurige und grausame Variante von ‚Aschenputtel‘, in der sich ihre Schwestern die Zehen und die Fersen abschneiden, um in den gläsernen Pantoffel zu passen.“ Im selben Essay merkt sie an, dass die böse Königin in Sneewittchen „bei der Hochzeit ihrer Stieftochter rotglühende eiserne Schuhe tragen muss und sich zu Tode tanzt.“ Und die falsche Braut der Gänsemagd wählt ihr eigenes Todesurteil, ohne es zu merken: „Sie ist nichts Besseres wert, als dass sie splitternackt ausgezogen und in ein Fass gesteckt wird, das inwendig mit spitzen Nägeln beschlagen ist.“

Warum wurden die Grimms Märchen entschärft?

Die Grimms Märchen wurden entschärft, weil die Brüder wollten, dass das Buch zugleich als Dokument der Volksüberlieferung und als Buch für Familien funktioniert, und diese beiden Ziele zogen in verschiedene Richtungen.

Das Grimm-Museum in Kassel, die Grimmwelt, sagt, die Brüder hätten die Sammlung „als volkskundliches Dokument und als erzieherisches Kinderbuch“ gedacht. Es merkt außerdem an: „Umfangreiche Bearbeitungen fanden statt, bevor 1825 die illustrierte ‚Kleine Ausgabe‘ erschien, die den Brüdern Weltruhm einbrachte.“ Die Rare Book & Manuscript Library der University of Illinois ergänzt, dass Kritiker die frühen Bände für junge Leser ungeeignet fanden, weshalb spätere Ausgaben sexuelle Anspielungen strichen und böse Mütter zu Stiefmüttern machten.

Warner sagt, Wilhelm habe „versucht, die Grausamkeit abzumildern“, doch die Entschärfung war selektiv: Sex und schlechte Mütter wurden abgeschwächt, Strafszenen blieben oder kamen hinzu. Der Märchenforscher Jack Zipes erklärt in The Public Domain Review, warum der düstere Kern überlebte: In diesen Märchen gilt, „auch wenn Magie, Aberglaube, wundersame Verwandlung und Brutalität im Spiel sind, glauben die Erzähler an ihre Geschichten.“ Die Debatte endete nie ganz: Die Grimmwelt ergänzt, dass die Märchen „nach dem Zweiten Weltkrieg als fragwürdige Kinderliteratur eingestuft“ wurden, bevor sie rehabilitiert wurden.

Wie düster ist Die sieben Raben, das Märchen hinter Coins Catcher?

Die sieben Raben ist eines der sanfteren düsteren Grimms Märchen, dreht sich aber trotzdem um einen Fluch und eine selbst zugefügte Wunde. Der zornige Wunsch eines Vaters verwandelt seine sieben Söhne in Raben; ihre Schwester reist zur Sonne, zum Mond und zu den Sternen, um sie zu finden, und verliert dann den Schlüssel zum Glasberg. In Ashlimans Übersetzung: „Das gute Schwesterchen nahm ein Messer, schnitt sich ein kleines Fingerchen ab, steckte es in das Tor und schloss glücklich auf.“ Ashliman merkt außerdem an, dass das Märchen in der Erstausgabe unter dem Titel „Die drei Raben“ erschien und „für die zweite Ausgabe (1819) umbenannt und grundlegend umgeschrieben wurde.“

Die ganze Geschichte steht in Die sieben Raben: das Märchen.

Wo kannst du düstere Grimms Märchen heute lesen?

Düstere Grimms Märchen kannst du heute bei Project Gutenberg, in Ashlimans Folktexts und über Sammlungen von Bibliotheken und Museen lesen.

Wo passt Coins Catcher: Co-op Lands hinein?

Videospiele greifen immer wieder auf düstere Grimms Märchen zurück, weil ein Fluch, eine monströse Verwandlung und eine hart erkämpfte Rettung schon eine Quest ergeben. Coins Catcher: Co-op Lands nimmt Die sieben Raben und verdreht das Märchen bewusst, so wie die Grimms die gesammelten Märchen umgestaltet haben. Im Spiel hält ein schattenhafter Fluch eine Prinzessin gefangen, und ihre sieben Brüder, ihre Beschützer, werden nicht in Raben, sondern in sieben riesige Bestien verwandelt, jede in eine andere historische Epoche verbannt.

Jede Epoche hat ihre Bestie: einen Wolf in Italien 1956, eine fleischfressende Pflanze im Wilden Westen 1885, einen Hippogreif in der Karibik 1704, einen Drachen in Kyoto 1503, einen Bären in York 1062, einen Säbelzahntiger in Hatra 201 n. Chr. und die Riesenspinne von Alexandria 300 v. Chr. als Endgegner. Du bist 10 cm (etwa 4 Zoll) groß. Besiege die Bestie, klettere auf ihren Turm und hol dir oben den magischen Edelstein; sieben Edelsteine brechen den Zauber und retten die Prinzessin. Die Seite zum Märchen auf der Website des Spiels erzählt die Wendung vollständig.

Es ist ein Online-Koop-3D-Plattformer für bis zu 8 Spieler vom Solo-Entwickler Alehundred, freigegeben für Spieler ab 13 Jahren, mit Crossplay zwischen PC auf Steam, Mobilgeräten und VR und Voice-Chat für alle. Es ist auf Steam im Early Access.

FAQ

Was ist das düsterste Grimms Märchen?

Ein starker Kandidat ist Von dem Machandelboom (KHM 47), in dem eine Stiefmutter ihren Stiefsohn tötet und zu einem Eintopf kocht, den sein Vater isst.

Was sind Beispiele für düstere Grimms Märchen?

Von dem Machandelboom, Der Räuberbräutigam, Fitchers Vogel, Das Mädchen ohne Hände, Die Gänsemagd, Das eigensinnige Kind und Die sieben Raben.

Wie lautet die Liste der düsteren Grimms Märchen der Reihe nach?

Nach KHM-Nummer: Die sieben Raben (25), Das Mädchen ohne Hände (31), Der Räuberbräutigam (40), Fitchers Vogel (46), Von dem Machandelboom (47), Die Gänsemagd (89) und Das eigensinnige Kind (117).

Waren die originalen Grimms Märchen düsterer?

In mancher Hinsicht. Die Ausgabe von 1812 war direkter, aber viele düstere Märchen behielten ihre Gewalt bis 1857, und manche, wie Das eigensinnige Kind, wurden härter.

Warum sind Grimms Märchen so düster?

Sie stammen aus einer Erzähltradition, die Brutalität nicht versteckte; wie Jack Zipes sagt, „glauben die Erzähler an ihre Geschichten.“ Die Grimms schwächten Sex und böse Mütter ab, behielten aber die Strafen.

Welche berühmten Grimms Märchen sind am gewalttätigsten?

Aschenputtel (die Stiefschwestern schneiden sich in die Füße), Schneewittchen (rotglühende eiserne Schuhe) und Die Gänsemagd (ein mit Nägeln beschlagenes Fass) haben die gewalttätigsten Schlüsse.

Quellen

  1. Grimm J, Grimm W; Ashliman DL, Übers. The Seven Ravens. Folktexts, University of Pittsburgh, 2002.
  2. Grimm J, Grimm W; Ashliman DL, Übers. The Girl without Hands. Folktexts, University of Pittsburgh, 2001-2012.
  3. Grimm J, Grimm W; Ashliman DL, Übers. The Robber Bridegroom. Folktexts, University of Pittsburgh, 2001-2005.
  4. Grimm J, Grimm W; Ashliman DL, Übers. Fitcher's Bird. Folktexts, University of Pittsburgh, 2002-2020.
  5. Grimm J, Grimm W; Ashliman DL, Übers. The Juniper Tree. Folktexts, University of Pittsburgh, 2000-2007.
  6. Grimm J, Grimm W; Ashliman DL, Übers. The Goose Girl. Folktexts, University of Pittsburgh.
  7. Grimm J, Grimm W; Ashliman DL, Übers. The Willful Child. Folktexts, University of Pittsburgh, 2000-2006.
  8. Warner M. Rescuing Wonderful Shivery Tales. The New York Review of Books, 2015.
  9. Zipes J. The Forgotten Tales of the Brothers Grimm. The Public Domain Review, 2012.
  10. Grimmwelt Kassel. The "Children's and Household Tales". Grimmwelt-Journal.
  11. University of Illinois Library, Rare Book & Manuscript Library. Kinder- und Hausmärchen gesammelt durch die Brüder Grimm. Ausstellung Once Upon a Time.
  12. Library of Congress. A Grimm Beginning. From the Catbird Seat, 2012.
  13. Grimm J, Grimm W; Taylor E, Edwardes M, Übers. Grimms' Fairy Tales. Project Gutenberg.
  14. Grimm J, Grimm W; Hunt M, Übers. Household Tales by Brothers Grimm. Project Gutenberg.

Ähnliche Artikel